Die Deutsche Weinstraße

Mandelblüte in der Südpfalz

Der Startschuss für unsere „Tour de Rosa“ fällt in Edenkoben, einem kleinen schnuckligen Dorf, in dem schon seit über 1200 Jahren Wein angebaut wird. Die Rebstöcke erstrecken sich über eine Fläche von stolzen 510 Hektar. Somit gilt diese Ortschaft als eine der größten Weinbaugemeinden Deutschlands.

EINE FARBSINFONIE INWEISS UND ROSA

Der nahe gelegene „Mandelpfad“ leuchtet schon vom Ortsrand aus zartrosa. Und auch der Geruch nach frisch gewaschener Wäsche sowie die unglaubliche Farbsinfonie aus weiß und rosa blühenden Mandelbäumchen betört im Nu die Sinne. Radfahrer bleiben stehen, stecken ihre Nasen in die Baumwipfel und schnuppern intensiv an den Blüten. Wanderer stolpern wie benommen mit einem Dauergrinsen von Baum zu Baum und schießen unzählige Selfies. Garantiert ist die Südpfalz eine der meistgepostesten Regionen Deutschlands – vor allem in dieser Jahreszeit, mitten im März, während in den meisten Alpentälern noch fleißig Schnee geschippt wird und einem im hohen Norden immer noch eine steife kalte Brise um die Nase pfeift. Doch hier im mediterranen Klima der Südpfalz strahlt die Sonne vom Himmel und vertreibt die Entbehrungen, die der Winter uns vor allem dieses Mal abverlangt hat. Die Sinne und die Lebenslust werden wieder neu belebt und man kann nach Herzenslust entweder zu Fuß oder mit dem Bike auf der 77 Kilometer langen Wanderroute die Natur in vollen Zügen genießen.

EINE STIPPVISITE INS SCHLOSSVILLA LUDWIGSHÖHE

Die Vorbereitungen für die ersten Weinfeste Deutschlands in Gimmeldingen und Edenkoben sind bereits in vollem Gang. Die alten Weinpressen und Fuhrwerke entlang der Edenkobener Mandelmeile werden mit viel Liebe zum Detail festlich geschmückt und die Liebeslauben auf dem Weinlehrpfad herausgeputzt. Bierbänke und Tische werden aufgestellt und Schenken eingerichtet. Doch bevor der erste Wein getrunken wird, haben wir uns einen Abstecher ins nahe gelegene Schloss Villa Ludwigshöhe vorgenommen. König Ludwig I. ließ dieses prächtige Schloss im Jahr 1846 hoch oben im Stil einer italienischen Sommerresidenz mit Blick über die Weinfelder errichten. Wie kam damals eigentlich ein Bayer in die Pfalz? Nun, die Wittelsbacher hatten im Jahr 1214 die Pfalzgrafschaft als Reichslehen zugeschrieben bekommen. Und weil der Schöngeist und stete Schwerenöter Ludwig I. eine große Schwäche für die Antike hatte, mutet das vierflügelige Gebäude wie eine römische Portikus-Villa an. Auch das kostbare Interieur ist eine Augenweide. Der Bayernkönig ließ zahlreiche Edelkastanien rings um seine Sommerresidenz anpflanzen. „Die Kastanie ist des südlichen Klimas bester Zeuge“, wird er gerne zitiert. Schon die Römer nutzten die Esskastanien als Nahrungsmittel für Mensch und Vieh und das Kastanienholz für den Weinbau. Seitdem gedeihen die „Keschde“, wie die Pfälzer in ihrer klangvollsingenden Mundart sagen, ganz hervorragend in der Südpfalz und prägen die Vegetation zwischen dem Pfälzerwald und der Deutschen Weinstraße. Viele Bäume sind bis zu 700 Jahre alt. Die Esskastanie ist seit Langem fest verwurzelt in der Pfälzer Kultur und Lebensart und glänzt als leckerer Bestandteil der Pfälzer Küche.

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